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Schützengesellschaft Wellhausen seit 1537
Die Schützengesellschaft Wellhausen ist wohl eine der Aeltesten im Thurgau. Die eigentliche Gründung ist in Dunkel gehüllt, vielleicht dass schon zur Zeit, als die Mötteli als Gerichtsherren auf Schloss Wellenberg herrschten, eine Vereinigung von Bogen oder Armbrustschützen bestand. Als dann die Schiesswaffen immer mehr zur Geltung kamen, wurde Pfeil und Bogen in den Hintergrund gedrängt. In den Städten bildeten sich Gesellschaften der Büchsenschützen, die mit besonderen Privilegien bedacht wurden. Denn gar bald wurde die Bedeutung der Schiesswaffen als hauptsächlichstes Kampf- und Verteidigungsmittel erkannt. In den Städten erhielten diese Gesellschaften das Recht, eigenen Grundbesitz zu erwerben und darauf eigene Schiessanlagen zu erstellen, oder es erfolgte der Bau dieser Schützenhäuser auf Kosten der Gemeinde. Oft wurde die Ausstattung dieser Gebäude geradezu luxuriös eingerichtet, da dieselben nicht nur für Schiesszwecke, sondern auch für gesellschaftliche Anlässe zu dienen hatte.
In der ehemaligen Landgrafschaft Thurgau war es Frauenfeld, das im Jahr 1524 ein eigenes Schützenhaus baute. Ihm folgten Bischofszell 1527 und Diessenhofen. Auf dem Lande jedoch machte die Schiesskunst weniger Fortschritte, da die Gerichtsherren hierfür weniger Entgegenkommen zeigten und an starker Bewaffnung des Volkes weniger Interesse hatten oder gar um ihre Existenz fürchteten. So erscheint es sonderbar, dass in dem zur Herrschaft Wellenberg gehörenden Dorfe Wellhausen schon im Anfang des 16. Jahrhunderts eine Schützengesellschaft bestand, die ein eigenes, schön eingerichtetes Schützenhaus besass. Die Angaben über Gesellschaft und Schützenhaus sind allerdings sehr spärlich. Wann sich diese Gesellschaft gegründet und wann das Haus gebaut wurde, ist nicht genau bekannt - doch ist es mit Wahrscheinlichkeit das Jahr 1537. In einem Buche, das von Gerichtsschreiber Kauf geschrieben, in dem in kunterbuntem Durcheinander, Gemeindeangelegenheiten, Gemeindeversammlungsprotokolle, Prozessverhandlungen mit Angaben über Ernte-Erträge, Anzahl der Garben, Witterungsberichte, Familienereignisse, Jahreszeiten, Loos-Tage verzeichnet sind, befand sich unter den Angaben über das Jahr 1537 folgende Notiz:
Am Sonntag nach Allerheiligen han die Schützer uf ihr
näwen (neuen) Schüsstatt ein Schiebenschüssen. Von unseren Herren, Herren Gregor
von Ulm (ge) geben 2 Eimer Wii, rotes Gwächs
(Dieses Buch hat der Verfasser von vielen Jahren von einem Bürger, David
Schneider zur Ansicht erhalten und als damaliger Schützen-Aktuar die Notiz
abgeschrieben. Ob dieses Buch noch vorhanden oder von dessen Hinterlassenen als
wertlos bezeichnet worden ist, ist nicht bekannt.)
Im Jahr 1567, also 30 Jahre später, berichtet Herr
Gregor von Ulm an die in Frauenfeld versammelte Tagsatzung von dem Schützenhause
und bittet gleichzeitig um Spendung von Scheiben (gemahlte Fensterscheiben)
(aus Geschichte des Kantons Thurgau von Puppikofer II. Band)
Ob diesemGesuch entsprochen worden ist, kann nicht ermittelt werden, da keine
aus dieser Zeit stammenden Scheiben bekannt sind, die im Wellhauser Schützenhaus
sich befanden. Leider sind alle Dokumente der alten Schützengesellschaft
vernichtet worden oder verloren gegangen. So sind 2 ehemals im Bürgerarchiv
Wellhausen befindliche, von der Tagsatzung und vom Landvogt ausgestellte, mit
Siegeln versehene Briefe, wonach den Schützen von Wellhausen die Gaben zuerkannt
werden, abhanden gekommen. Der eine dieser Briefe ohne Jahresangabe aus der
ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und der andere aus dem Jahre 1696 hätten über
die Art der zuerkannten Gaben wertvollen Aufschluss geben können.
Auch das Schützenhaus, das einst eine Zierde des Dorfes war, ist verschwunden. In einer Zeit vollständiger Verständnis- und Pietätlosigkeit wurde dasselbe dem Untergang geweiht. Noch im Jahre 1837 hat der Geschichtsforscher Puppikofer in seinem Werk, Gemälde der Schweiz, dieses Schützenhaus als besonders sehenswert erwähnt. Wenn auch keine Personen mehr am Leben sind, die sich dieses Hauses noch erinnern können, so kann man doch auf Grund von Erzählungen von Leuten, die dasselbe noch gesehen haben, ein ungeführes Bild von diesem Haus sowie der ganzen Schiessanlage sich vorstellen. Dieses Schützenhaus befand sich auf der danach genannten Schützenwiese (Ecke Halden - Griesenstrasse) ca. 200 Meter südwestlich des Dorfes an der ehemaligen Hauptstrasse, die über Griesen, Oberkirch nach Frauenfeld führte. Der Scheibenstand 150 Schritte in südwestlicher Richtung am so genannten Krüzibach. Geschossen wurde demnach noch nicht auf weite Distanz. Die Angaben über die ganze Anlage verdankt der Schreiber einem im Jahr 1907 verstorbenen Bürger, David Schneider, der die ganze Anlage selbst noch gesehen und beschrieben und so gut als möglich eine Skizze gemacht hat
Skizze .
Das Haus war ein so genanntes Riegelhaus,
bestehend aus Erdgeschoss und einem Stockwerk. Im Erdgeschoss war die Ladstube,
in welcher sich auch der Kugelofen befand; eine einfache Feuerstätte mit Kamin,
ähnlich einer Schmiede-Esse, doch ohne Blasbalg. Hier wurde das Blei geschmolzen
und in bereitliegenden Modell-Zangen zu Gewehrkugeln gegossen. Der Schiesstand
selbst war offen und vom Stockwerk überbrückt. Unter der Ladstube befand sich
der Keller mit Fassung, um den durstigen Schützenbrüdern mit einem Glase Wein zu
besserem Erfolg zu verhelfen.
Die Zierde des Ganzen bildete die Schützenstube im 1. Stockwerk. Ein Ofen mit
bemalten Kacheln gab ihr einen heimeligen Reiz. Die Fenster mit runden
Butzenscheiben waren geschmückt mit Glasgemälden, die von Gönnern, besonders von
dem damals angesehenen Geschlecht - Kaufen, der Herren von Ulm, der Stadt
Frauenfeld, der Bürgergemeinde Mettendorf und von mehreren andern gestiftet
worden sind. Die meisten dieser Glasgemälde, von denen ein Teil im Thurg. Museum
in Frauenfeld sich befinden, stammen aus der Zeit von 1670 - 1690 und wurden von
einem Glasmaler Weber in Winterthur gemalt. Einen weitern Schmuck dieser Stube
bildeten die bemalten Wappen-Tafeln, von denen die eine die Wappen der auf dem
Schlosse Wellenberg residierenden Obervögte vom Jahre 1702 anenthält, während 3
andere die Wappen der der Gesellschaft angehörenden Schützen tragen. Diese
Wappentafeln, nunmehr im neuen Schützenhause untergebracht, sind die einzigen
Zeugen, die unserem Ort aus jener Zeit erhalten geblieben sind. Ein Büffet aus
Nussbaumholz mit reichhaltigem Zinn- und Glasgeschirr, sowie Stabellen und
Schragentische bildeten die Ausstattung.
Geschossen wurde in diesem Schützenhaus
ursprünglich mit Hackenbüchsen und Radschlossgewehren und später mit
Feuersteingewehren.
Die Kugeln wurden meist im Schützenhaus selbst gegossen. Die
Distanz zum Scheibenstand betrug 150 Schritte (also ca. 150 Meter). Zur
Sicherung des Zeigers befand sich daselbst ein Zeigerhäuschen. Die Scheiben
bestanden aus Holzbalken, die zusammengefügt und mit dem Scheibenbild bemalt
waren. Diese Scheiben waren durch Charniere in aufrechtstehenden Pfosten
eingelassen und wurden nach jedem Schuss gewendet und das Schussloch mit einem
Holzpfropfen vermacht. Da die Kugeln die Scheibenbalken nicht zu durchdringen
vermochten, wurden diese nach und nach vollständig mit Kugelblei angefüllt. War
dies der Fall, wurden sie herausgenommen und durch neue ersetzt, alsdann wurde
das Holz zerkleinert und im Kugelofen verbrannt, sodass das eingeschossene Blei
herausfliessen und zu neuen Geschossen verwendet werden konnte. Das Zentrum der
Scheibe war ausgesägt und lose eingefügt. Sobald nun eine Kugel diesen Kreis
traf, wurde eine Feder ausgelöst und eine Mannsfigur in der Uniform eines
Schweizer-Soldaten schnellte aus dem Hintergrund empor. Leider ist auch dieses
Stück anfangs der 90er Jahre das letzten Jahrhunderts von einem in Finanznöten
steckenden Bürger, bei dem es aufbewahrt war, an einen Antiquar verkauft worden.
Die Blütezeit der Schützengesellschaft war
unzweifelhaft um die Wende des 17. Jahrhunderts. Es war jedenfalls der Stadt
Zürich, welche nunmehr die Herrschaft Wellenberg übernommen, daran gelegen, ihre
Untertanen im Waffenhandwerk zu üben, da immer fort konfessionelle
Streitigkeiten zu gewärtigen waren. Obervogt Kasper Eberhart von Zürich
nahm sich besonders der Schützengesellschaft an. Er veranlasste, dass dieselbe
neue Statuten (Ordnung) erhielt, bewirkte auch, dass der Schützengesellschaft,
welche nur von Reformierten besucht werden durfte, eine jährliche Ehrengabe von
3 Talern zugesprochen wurde.
Auch liess er im Schützenhaus eine Wappentafel anfertigen und seinem Wappen und
Namen die Widmung beifügen:
Erster Obervogt der Herrschaften Wellenberg
und Hüttlingen,
Mehrer der Schützengesellschaft und dero Ordnungen - 1702 - .
Auch die Herren Hans Konrad Kauf und Landrichter Heinrich Kauf bemühten sich sehr um das Schiesswesen. Eine Wappentafel vom Jahr 1707 weist einen Bestand von 29 Mitgliedern auf. Diese trägt unten die Inschrift:
- eine Ehrende Schützengesellschaft zu Wellhausen -
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erlahmte
das Interesse für die Schützengesellschaft. Schon vom Jahr 1763 haben die
Obervögte auf Wellenberg ihre Wappen nicht mehr eintragen lassen, und mit dem
Ausbruch der französischen Revolution hörte das Schiesswesen beinahe ganz auf.
Man hatte nun genug andere Sorgen.
Im Anfang des 19. Jahrhunderts war es Herr Kantonsrat Gänsli, der das
Schiesswesen wieder heben und namentlich das Schützenhaus in Ehren halten
wollte, denn im Laufe der Jahrhunderte war dieses reparaturbedürftig geworden.
Allein Partei-Leidenschaften machten diese Anstrengungen zu Nichte. Eine Anzahl
Bürger suchten alles was dieser für die Gemeinde tun wollte, zu hintertreiben,
teils aus Eigennutz, teils aus Unverstand.
Inzwischen hätte die
Stadtschützengesellschaft Frauenfeld ihr Schützenhaus gerne wieder mit
Glasgemälden geschmückt. Ein nach Frauenfeld gezogener Bürger von Wellhausen,
namens Wehrli, der daselbst eine Handlung errichtete, veranlasste die
Schützengesellschaft Frauenfeld an die Bürgergemeinde Wellhausen das Gesuch zu
richten, um Überlassung der gemalten Glasscheiben. Wehrli wusste seine
Verwandten und Freunde in Wellhausen zu beeinflussen, dass ihm eine Mehrheit
sicher war. Unterm 6. Juni 1833 wurde von der Bürgergemeinde Wellhausen
beschlossen, der Schützengesellschaft Frauenfeld auf deren Gesuch aus besonderer
Hochachtung 5 Stück von den Kunstscheiben im Schützenhaus als Präsent zu geben,
nach eigener Auswahl. Auf den Verkauf der übrigen Kunstscheiben seien dieselben
nach einem von der Schützengesellschaft Frauenfeld zu machenden Angebote zu
überlassen.
Die Bürger glaubten, durch diesen Beschluss eine gewaltige Ehre eingelegt zu
haben, bezeugten aber dadurch nur ihre eigene Unerfahrenheit. Auf Betreiben von
Ortsvorsteher Wehrli, dem Bruder des nach Frauenfeld verzogenen Wehrli,
beschloss die Bürgergemeinde unterm 5. Dezember 1841 das Schützenhaus auf
Abbruch zu verkaufen und den Erlös, sowie den Schützenfond dem Schulfond
einzuverleiben. Als Gründe waren erwähnt:
1. Dass das Schützenhaus reparaturbedürftig sei und durch die Reparaturkosten
das Kapital angegriffen werden müsste.
2. Dass die Schiessübungen zu kostspielig seien.
3. Weil der derzeitige Schulfond zu nieder sei.
Dieser Beschluss erfolgte mit 31 Stimmen gegen 23 ablehnende. Wohl legten Herr
Kantonsrat Gänsli, Gemeindeschreiber Freyenmuth und Jakob Kauf, Zimmermann
dagegen Protest ein, doch ohne Erfolg.
Der Verkauf wurde der Verwaltungskommission übertragen, die das Haus um den
Betrag von 180 Gulden an einen gewissen Johann Fuchs aus Langdorf verkauften.
Die Grundstücke, sowie das Zeigerhäuselein, sowie das Mobiliar hingegen wurden
auf eine Versteigerung gebracht und zu Schleuderpreisen verkauft. Es erwuchsen
der Gemeinde dann noch Schwierigkeiten, indem Johann Fuchs die Summe von 180
Gulden nicht gleich zahlen konnte und zuerst Bürgschaft stellen musste.
So fiel das Schützenhaus am Mittwoch vor
Ostern des Jahres 1842, nachdem es während 3 Jahrhunderten eine der schönsten
Zierden des Ortes gewesen, dem Unverstand der Bürger zum Opfer. Doch hatten die
Bürger diese Tat gar bald zu bereuen, denn mit Annahme der neuen
Bundesverfassung im Jahre 1848, nach welcher die Armee eidgenössisch wurde,
bekam das Schiesswesen einen neuen Aufschwung. Doch nun hatten die Schützen für
ihre Übungen, die nach kurzer Zeit obligatorisch erklärt wurden, keine bleibende
Stätte mehr und mussten froh sein, wenn ihnen ein Grundbesitzer die Bewilligung
zur Abhaltung der Schiessübungen erteilte.
Als nun die Schiessübungen für die Infanterie (Scharfschützen und Füsilier)
obligatorisch erklärt wurden, bildete sich in den Munizipalgemeinden Hüttlingen
und Felben im Jahr 1864 die Schützengesellschaft Thurtal, die ihre Übungen
abwechslungsweise bald da, bald dort hielt, je nachdem ihr die Bewilligung
erteilt wurde, oder eine Wirtschaft in der Nähe war. So ging es bis zum Jahr
1871. In diesem Jahre trennten sich die Schützen von Wellhausen vom
Schützenverein Thurtal und gründeten wieder wie ehedem die Schützengesellschaft
Wellhausen, wie das in früheren Zeiten der Fall war. Auch die Schützen von
Felben traten diesem Vereine bei, sodass mehrheitlich 2/3 der Mitglieder aus
Wellhausen und ein Drittel aus Felben sich rekrutierte. Dies Zusammenwirken
konnte ein Friedliches genannt werden, bis dann im Jahre 1880 zwischen diesen
beiden Ortsgemeinden ein Prozess ausbrach und die Gemüter erregte. Die Folge war
auch für unsere Schützengesellschaft nachteilig, indem die Mehrzahl der Schützen
von Felben ihren Austritt erklärten und soweit es schiesspflichtige Militärs
waren, ihre Schiesspflicht auf dem Schiessplatz Amlikon erfüllten und im Jahre
1883 einen eigenen Verein gründeten. Das war für die Schützen von Wellhausen ein
schwerer Schlag und mit Wehmut gedachten sie der einst so schönen Schiessanlage.
Doch durften sie die Hände nicht ruhen lassen und pflegten mit erneutem Eifer
die edle Schiesskunst. Im Jahr 1881 gaben sie dem Verein neue Statuten und
gründeten den Schützenfond, dessen Endzweck die Erbauung eines neuen
Schützenhauses in Wellhausen war. Um eine Verschandelung oder Verschleuderung
dieses Fonds für immer unmöglich zu machen, wurde die Fondbestimmung getroffen,
dass das diesbezügliche Reglement weder durch Vereins- noch durch
Gemeindebeschlüsse abgeändert werden dürfe. Es waren besonders die Herren
Steuerkommissär Freyenmuth und Gemeindeammann Peter, welche sich um die Hebung
des Schützenvereins verdient gemacht haben. Lange ging es, bis die Gesellschaft
einen Erfolg zu verzeichnen hatte. Im Jahre 1889 holte sich eine Gruppe bei
einem Frei-Schiessen in Amriswil einen Lorbeerkranz und im Jahr 1899 die
Gesellschaft einen Eichenkranz am thurgauischen Sektionswettschiessen. Seither
ist dieser Erfolg noch mehrmals eingetreten. Als im Jahr 1896 die bisherigen
Vorstandsmitglieder resignierten und jüngere Mitglieder die Leitung des Vereins
übernahmen, betrachteten es diese als Hauptaufgabe, die Entwicklung desselben zu
fördern und den längst gehegten Wunsch, ein eigenes Heim zu besitzen, zu
verwirklichen.
Es war erfreulich zu sehen, wie Behörden und sämtliche Einwohner ihre
Unterstützung zusicherten. Die erste Bedingung war die Erwerbung eines eigenen
Schiessplatzes. Dieser fand sich bald in dem bereits längere Zeit benützten
Grundstück im "Hüslirain" von Herrn Gemeinderat Huber mit Schussrichtung über
das Tobel und Scheibenstand im "Lochrütirain". Dieses Grundstück im Ausmass von
11 ½ Aren wurde von der Ortsgemeinde Wellhausen zum Preise von 300 Franken, wozu
noch 150 Franken für das Servitut, dass kein Holz über die Schusslinie
hinauswachsen dürfe, erworben. Die Kosten der Planierungsarbeiten, die sich auf
180 Franken beliefen, wurden ebenfalls von der Ortsgemeinde übernommen. Zudem
wurde von Herrn Huber die Bewilligung zu einer Weganlage durch seinen Wald
gratis erteilt und als Servitut übernommen. Die ganze Anlage wurde hierauf von
der Ortsgemeinde als Geschenk an die Schützengesellschaft abgetreten mit der
Bedingung, dass es unveräusserliches Eigentum der Gesellschaft bleiben müsse.
Nun galt es, ein Haus zu bauen, das dem Zweck entsprechend eingerichtet, dem
Dorfe wiederum zur Zierde gereichen werde. Von unsern Mitbürgern, den Herren
Gebrüder Freyenmuth in Frauenfeld wurde kostenlos ein Bauplan erstellt. Die
Bürgergemeinde Wellhausen subventionierte den Bau des Schützenhauses mit Tausend
Franken. Eine Sammlung freiwilliger Beiträge ergab die schöne Summe von 1500
Franken. Da der Schützenfond mit der Zeit auf über 500 Franken angewachsen war,
stand der Gesellschaft zum Bau des Schützenhauses eine Summe von über 3000
Franken zur Verfügung. Die Ausführung des Werkes wurde den Herren Gebrüder
Freyenmuth, Baugeschäft in Frauenfeld übertragen, die im Jahre 1901 den Bau des
Hauses in tadelloser Weise durchführten. Die Freude der Schützen über das
gelungene Werk war gross, so dass sie gerade noch die Anschaffung einer Fahne
beschlossen. Wieder musste der Opferteller herum geboten werden und nochmals
flossen reichliche Gaben. Die freiwilligen Beiträge erreichten die Summe von 322
Franken, so dass auch die Fahne aus diesen Mitteln vollständig bezahlt werden
konnte. Am 17. August 1902 wurden Schützenhaus und Fahne mit einer schönen Feier
eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben.
Zu erwähnen ist noch, dass ein in unserem Dorfe sich vorübergehend aufhaltender Schütze, Emil S i g n e r, Schreiner, der dann nach Brasilien auswanderte, einen Kasten für die erhaltenen und die noch zu erwartenden Kränze der Gesellschaft als Geschenk übergab.
Einen Wendepunkt in der Geschichte der Schützengesellschaft bildete das Jahr 1911. In diesem Jahre wurde die Anregung gemacht, sich mit der Schützengesellschaft Felben zu vereinigen. Diese Anregung fand günstigen Boden, so dass eine Vereinigung stattfinden konnte und unsere Gesellschaft fortan ein integrierender Bestandteil der Schützengesellschaft Felben-Wellhausen wurde. Da sowohl Baufond, wie auch die ganze Schiessanlage samt Mobiliar unveräusserliches Gut der Schützengesellschaft Wellhausen war, über welches nicht anders verfügt werden durfte, wurden diese Vermögensobjekte nicht in die Vereinigung einbezogen und sind alleiniges Gut der in Wellhausen wohnenden Schützen. Um zu verhindern, dass unsere schön und mit grossen Opfern erstellte Schiessanlage je wieder ausgeschalten werden könne, wurde der Vereinigung nur unter der Bedingung zugestimmt, dass beide Schiessplätze in gleicher Weise benützt werden, so dass von einem eigentlichen Aufhören der Schützengesellschaft Wellhausen nicht gesprochen werden kann. So marschierte dieselbe in guter Vereinigung weiter und wird es hoffentlich bleiben zum Nutzen und Frommen unseres lieben Vaterlandes.
War auch im Jahre 1901 unsere Schiessanlage bei deren Erstellung mustergültig eingerichtet, so änderte sich das in kurzer Zeit, besonders seit das Liegenschiessen immer mehr zur Geltung kam und deshalb diese Übungen mangels diesbezüglicher Einrichtung im Schützenhaus immer im Freien abgehalten werden muhsten. Die stärkere Durchschlagskraft der neuen Geschosse bedingte auch für den Zeiger bessern Schutz, namentlich gegen sog. Prellschüsse. Deshalb waren die Schützengesellschaften darauf bedacht, sog. Zugscheibenanlagen zu erstellen. Unsere Gesellschaft war eine der letzten, die sich zur Erstellung einer modernen Schiessanlage entschloss, wohlwissend, dass dieselbe ganz erhebliche Anforderungen, sowohl finanzieller als auch materieller Natur an die Mitglieder der Schützengesellschaft stellte. Sowohl die Behörden, wie auch die ganze Einwohnerschaft von Wellhausen waren dem Unternehmen gut gesinnt, infolgedessen auf ergangene Bittgesuche von der tit. Bürgergemeinde Wellhausen, der tit. Ortsgemeinde Wellhausen, der Elektra-Korporation Wellhausen und der Munizipalgemeinde Felben je Fr. 2000.- und von der Käsereigesellschaft Wellhausen Fr. 200.- als Subvention zugesichert wurden. Ebenso wurden von verschiedenen Privaten schöne Beiträge übergeben. Die Einwohner von Wellhausen anerboten sich, die ziemlich erheblichen Erdarbeiten der Zeigerwehr kostenlos auszuführen. Gleichzeitig mit der Erstellung der Schiessanlage wurde auch ein elektr. Läutwerk und Telephon mittels Kabelleitung zwischen Schützenhaus und Scheibenstand eingerichtet. Im Schützenhaus selbst muhste die Inneneinrichtung dem neuen Schiessbetrieb entsprechend geändert und Liegematten angeschafft werden, was ebenfalls einen erheblichen Kostenbetrag erforderte. Das Schützenhaus, das seit dessen Erstellung noch keine Renovation erhalten hatte, benötigte dringend einen neuen Anstrich, um den Witterungseinflüssen besser standhalten zu können, deshalb wurde auch diese Arbeit noch ausgeführt.
Die ganze Anlage inclusiv Inneneinrichtung und Anstrich kam auf die ansehnliche Summe von Franken 10'000.- zu stehen, und legt Zeugnis ab, dass auch unsere Generation bereit ist, ein Opfer zu bringen, wenn es gilt die Schiesstüchtigkeit zu heben und damit der Wehrkraft des Volkes und der Erhaltung unserer Freiheit und des Vaterlandes zu dienen.

Altes Schützenhaus, 300 Jahre alt
Ergänzung von 2009
Kurze Zeit später wurde in Felben-Wellhausen der Militärschiessverein Felben-Wellhausen gegründet. Die Schiesstätigkeit konnte im Schützenhaus Felben abgehalten werden. 1947 wurde der Schiessbetrieb in Felben eingestellt und der Militärschiessverein Felben-Wellhausen aufgelöst.
1966 änderte die Schützengesellschaft Felben-Wellhausen die Statuten von 1911 und gründete gleichzeitig die neue heutige Feldschützengesellschaft Felben-Wellhausen.
Nach 100 Jahren wurde aus Lärmschutzgründen im Jahre 2001 der Schiessbetrieb in Wellhausen eingestellt.
Ab 2002 bis 2005 durfte die Feldschützengesellschaft Felben-Wellhausen mit den Stadtschützen Frauenfeld im Schollenholz trainieren.
Nach mehrjährigen Verhandlungen mit dem
Schützenverein Thurtal-Hüttlingen hatten wir die Zusage ab 2006 den Schiessplatz
Hüttlingen für unseren Schiesssport zu nutzen.
In den Jahren 2006 und 2007 gab es noch diverse Umbauarbeiten am Schützenhaus.
Schützenhaus Hüttlingen nach dem Umbau
- Fritz Wermuth / Vereinspräsident -